Es ist Sommer geworden. Die Eisheiligen sind vorüber gezogen und hinterlassen eine schwere angespannte Luft. Es scheint als mache die Luft den Leuten schlechte Launen. Alle sind irgendwie gereizt, als hätte der Frühling keine Freude zurückgelassen. Alles ist ruhig und wie stehend. Es will nicht so recht zum Chaos passen das die Welt als ganzes zu sein scheint. Trauer ist es nicht, denn niemand denkt an die Vergangenheit, aber auch nicht an die Zukunft. Es ist mehr, als laste die Gegenwart unverzerrt auf den Menschen. Die Luft riecht blumig nach Pollen, schwanger von der natürlichen Vielfalt. Ich bemerke wenig Insekten, aber die Vögel sind munter und singen. Alle starren gebannt auf die Lage in Europa, aber der Taktgeber ist verklungen. Die Wahlen lähmen den sonstigen Fortgang und aus Berlin kommt keine Positionsmeldung, eine laue laute Stille. Aber die Pause ist nicht willkommen. Beinahe ist es als ob die Menschen nach Schreckensmeldungen suchten, damit der Schrecken der Welt vergleichbar bleibt. Man kann nur im eigenen Horizont verharren, wenn er Dinge beinhaltet, die schlimm genug sind, um einen anständigen Rahmen abzugeben. Und wir sind trainiert Dinge für schlimm zu halten, die Milliarden Kosten oder viele Menschenleben, die Natur zerstören oder eine große Ungerechtigkeit beinhalten, selber groß genug um einen Krieg auszulösen. Der moderne Europäer will sich glücklich, aber nicht lächerlich vorkommen. Die eigenen kleinen Probleme sollen mit den großen korrespondieren. Ein ärgerliches Loch in der Haushaltskasse wird lächerlich über den gesammten Erdball betrachtet. Und wir wollen nicht von uns wegsehen, das widerspricht unserem Egozentrischen Weltbild und unserer Angewohnheit der sittlich beschränkten Neugierde. Man muss schon ein sittenloser Strolch sein, um über die Gebühr neugierig zu sein, um sich das eigene Abendbrot mit sterbenden Kindern in Afrika zu verunreinigen. Man nimmt sich immer noch dezent genug ernst, um sich wichtig zu nehmen. Ja es ist eine eklige Stille in Deutschland.

